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Das innere Kind

Wir alle erinnern uns hoffentlich gerne an unsere Kindheit.

Es gibt Momente, die brennen sich ein. Lachende Kinderstimmen, fröhlich jauchzend, strahlend, unbeschwert.

Den Moment leben, im Jetzt sein, genießen.


Dann werden wir Schritt für Schritt er-wachsen, lernen, reifen.

Wir machen Erfahrungen, die uns prägen, ernster werden lassen, verantwortungsvoller, rationaler, abwägend.

Die Frage für mich ist nun, wo bleibt unser inneres Kind?

Lebt es in uns weiter, ohne dass wir es bemerken?

Das Interessante ist doch, dass wir selbst in unserem inneren Bild von uns nicht älter werden ab einem bestimmten Punkt oder Alter. Unsere Hülle reift, das ja, aber unser innerer Kern?


Ich bewundere immer die Menschen, die ihre Unbeschwertheit zelebrieren, die sich nicht so ernst nehmen und ihre Probleme auch nicht.

Denn meistens sind es auch keine Probleme, auf die man seine gesamte Energie und sein positives Lebensgefühl verschwenden sollte.
Zumindest nicht in unserer westlichen Welt, in der wir uns doch die meiste Zeit mit „Erste Welt Problemen“ im ironischen Sinne herumschlagen.

„oh weh, jetzt habe ich den Kühlschrank mit Einkäufen gefüllt, aber was esse ich denn nun zu Mittag?“

„Ich möchte das Fernsehprogramm wechseln, aber die Fernbedienung liegt 3 Meter entfernt.“
„Mein Autotürschloss ist vereist, aber der Enteiser liegt im Auto.“

Wenn man diese Aussagen mit einer gewissen Distanz betrachtet, bringen sie einen zum Schmunzeln. Worüber regt man sich den Tag über eigentlich auf?
Könnte man viele Dinge mit dieser Betrachtungsweise nicht gelassener nehmen?

Umso mehr man sich dem Schmunzeln über alltägliche Probleme zuwendet, umso glücklicher wird man. Das ist zumindest meine Erfahrung. Es bringt alles in einen Kontext.

Dasselbe Prinzip in der Praxis angewendet.

Es ist ein schmaler Grad, jemandem auf der einen Seite das Mitgefühl für seine Nackenschmerzen zu schenken, jedoch auch den  Blick des Patienten zu schärfen, auf wie viele Prozesse er sich dennoch in seinem Körper verlassen kann, die dafür sorgen, dass er aufrecht stehen, sich bewegen, denken und verdauen kann. Auch hier kann man Schmerzen in eine Relation bringen.

Gerade die Patienten, die ihr unbeschwertes inneres Kind stark nach außen tragen, haben meist weniger mit ihren Schmerzen zu kämpfen als die ernsteren, „erwachsenen“ Patienten.

Es ist oft auch eine Frage der Wahrnehmung. 
So auch im Heilungsprozess.
Manche Patienten kehren zu einer weiteren Behandlung zurück und beklagen sich beispielsweise über neu aufgetretene Knieschmerzen. Dann schaue ich auf meinen Anamnesezettel, auf dem ursprünglich mal Nackenprobleme, Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen angegeben wurden.
Wenn ich daraufhin gezielt nach diesen Beschwerden frage, stellt sich heraus, dass diese erheblich abgenommen, wenn nicht sogar gänzlich verschwunden sind.
Eigentlich doch schon ein großartiger Erfolg und dennoch wird diese Heilleistung, die die Patienten sich selbst zuzuschreiben haben oft gar nicht gewürdigt. Ich als Osteopathin habe dem Körper einen Impuls gegeben, Bewusstsein an gestörte Körperfelder gebracht, aber der Körper selbst hat diese Informationen in ein Gleichgewicht geführt und heilt. Eine fantastische Leistung und eine gute Mutter würde ihr Kind doch dafür loben 🙂

Eine weitere interessante Thematik bezüglich dem inneren Kind ist, dass ich immer dachte, dass ich meinen Patienten in einem kompetenten, selbstbewussten Auftreten gegenübertreten muss, sodass sie mir vertrauen und nicht an meinen Fähigkeiten zweifeln.

Das Komische ist, dass ich in dieser Zeit, in der ich das dachte, ständig auf mein Alter angesprochen wurde und meinen beruflichen Werdegang. Ich spürte eine Irritation, dass die Person, die so jung aussieht dennoch eine fundierte berufliche Entwicklung abgeschlossen haben soll.
Ich rechtfertigte mich innerlich und im Außen ständig und das bekräftigte den Zweifel im Außen.
Wie innen so außen, so heißt der schöne Spruch!

Seit ich diesen Gedanken losgelassen habe und mich auf das innere Kind konzentriere, das mich und jeden Patienten auf Augenhöhe miteinander reden lässt, dass uns verbindet, seit ich aktzeptiere, dass ich so bin, wie ich eben bin, dass jeder seine ungeklärten Felder hat, seitdem hinter-fragt mich niemand mehr.

Nun sehe ich hinter die Fassade der „tough“ erscheinenden Mutter, die aber im Kern mit starken Selbstzweifeln und Ängsten belastet ist, oder eines auf den ersten Blick ernst und nüchtern erscheinenden Unternehmers, der sich darüber den Kopf zerbricht, ob seine Ehe noch funktioniert.
Das innere Kind erlebt Verletzungen, zeigt Gefühle, quängelt, wenn es ihm nicht gut geht und ein anderer Teil in uns ermahnt es auch noch damit, dass diese Gefühlsduselei sinnlos sei, dass sie einen vom mentalen Fokus abbringe und somit weggedrückt werden müsse.

Doch wo geht diese Emotion nun hin, wenn sie nicht im Bewusstsein toleriert und geklärt wird?

Oftmals manifestiert sie sich im Körper, ohne dass man es mitbekommt und nach einiger Zeit fangen die Stellen an zu schmerzen. Es plagen einen unerklärliche Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, diffus, ohne erkennbare Ursache, medizinisch ohne Befund.
Was sitzt einem im Nacken? Wo verpasse ich mir Tag für Tag neue Nackenschläge? Bin ich wirklich aufrecht/ aufrichtig mir selbst gegenüber? Was stößt mir sauer auf?
Auch wenn diese Metaphern einfach klingen, manchmal bringen sie die Betroffenen zum Nachdenken und zum Einlenken, schaffen Bewusstsein und Klärung.
Der Körper ist nicht dein Feind im Schmerz, auch wenn dies so schwierig in dem Moment des akuten Schmerzes zu aktzeptieren ist, er möchte dich auf etwas aufmerksam machen, das du eventuell lange weggedrückt hast. Besonders wenn Magenspiegelung und weiterführende MRT Diagnostik zu keinem Ergebnis führt, dann sollte dieser Punkt meiner Meinung nach auch ins Betrachtungsfeld gebracht werden.

Das innere Kind ist der Inbegriff eines Urgefühls, ob es unbeschwert ist oder einen auffordert besser auf sich Acht zu geben, am Anfang oder am Ende steht immer ein liebevolles Schmunzeln.

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