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Der Schmerzkörper

Was geschieht, wenn der Körper unter Schmerz leidet?
Tagtäglich strömen Patienten in deine Praxis mit den verschiedensten Schmerzsymptomatiken und dennoch ähneln sie sich auf einer bestimmten Ebene.
 
Schmerz, ob stechend, dumpf, ausstrahlend oder lokal ist für die Psyche immer zermürbend. Gerade die Unterscheidung, ob akut oder chronisch ist ein wichtiger Faktor im Verstehen, was der Schmerz im Körper und dem psychischen Erleben auslöst.
 
Es gibt Patienten, die entwickeln mit der fortlaufenden chronischen Symptomatik eine bestimmte Art den Schmerz zu betrachten.
Es gibt kein Leben ohne den Schmerz mehr, er wird Teil der eigenen Identität.
 
Das Interessante nun bei der Behandlung ist, welche Beziehung die Patienten zu ihrem persönlichen Schmerz einnehmen. 

Ob der Schmerz ein störendes Fremdelement ist oder ob man ihn vom „Selbst“ nicht trennen kann und dann in eine Spirale aus Frustration, Depression und Verzweiflung führt.


So kommt es mitunter vor, dass die Art des Schmerzes fortlaufend während der Behandlung kommentiert wird. 
Auf der einen Seite, führt das jahrelange Beobachten von Schmerz zu einer sehr genauen Körperwahrnehmung. 
Die Sensationen werden differentierter und man beobachtet Zusammenhänge, in Ernährungsgewohnheiten, Sport, Stressphasen, ob physisch oder psychisch.

Die andere Seite dieses Prozesses ist, dass die eigene Realität und das Fühlen des Körpers immer durch den Schmerz gelenkt ist. Was macht der Schmerz heute? Wo sitzt er? Wohin wandert er?

Was ist das Leben nun ohne den Schmerz? Wie stark wurde er schon mit der eigenen Identität verknüpft?

Ich würde keinem Patienten unterstellen, dass er seinem Schmerzkörper nicht helfen möchte, neu mit ihm zu interagieren oder ihn sogar gehen zu lassen.

Das ist ja auch die Grundlage, wenn die Patienten einen Osteopathen aufsuchen. Oft sogar werden wir als letzte Instanz gesehen, die hoffentlich helfen kann. 

In der Behandlung zeigt sich dann, wie sehr der Patient bereit ist, seinen persönlichen Schmerz gehen zu lassen.

Manchmal kommen an bestimmten Schmerzpunkten Themen mit familiärer oder partnerschaftlicher Relevanz ans Tageslicht.
Als würde der Körper an bestimmten Stellen Gefühle abspeichern, die man reaktivieren kann, wenn man sich dem Körper in dieser Haltung nähert, die heilen möchte, Impulse weitergibt und eine Vertrauensbasis schafft.

Manche Patienten bleiben in der kommentierenden Rolle, halten den Schmerz fest, „erwarten“ ihn, definieren ihn. 

Es gibt Patienten, die möchten alle Verantwortung abgeben, achten nicht auf sich, möchten nur mit äußeren Impulsen interagieren. Doch eine Änderung der inneren Haltung bringt dies nicht mit sich. 

Bin ich wirklich bereit, meinen Körper wie ein wertvolles Instrument zu behandeln, ihn zu hegen und zu pflegen, seine Gewohnheiten zu hinterfragen, ein Bewusstsein für den Körper zu schaffen, in dem er leistungsfähig, kraftvoll, flexibel und entspannt sein kann?


Es gibt Momente, da betritt ein Patient das Behandlungszimmer und berichtet, dass die Schmerzsymptomatik noch anwesend sei, aber es den Patienten nicht mehr so belasten würde, dass sich etwas in seiner inneren Haltung verändern würde, seine körperlichen und geistigen Muster stärker wahrnehmen würde aber auch besser einordnen könne.

Die Patienten sind aufrechter, auf allen Ebenen. Das war für mich eine sehr interessante Beobachtung.
Sie sind federnder im Gang, wirken leichter und lächeln wieder mehr. Da blitzt Hoffnung in den Augen und eine gewisse Ruhe. 

Der Schmerzkörper wird mehr in Liebe angenommen, als ein Barometer der Überforderung, nicht mehr nur als störendes, böses Element. 

Sie verstehen, dass der Körper sie nicht quälen will, er tut es aus einer Not heraus. Der leidende Anteil möchte zurück ins heile Ganze geführt werden und braucht dafür Bewusst-werdung und Handeln. Oft auf vielen Ebenen, sodass auch psychische Elemente aus der Vergangenheit neu eingeordnet und gelöst werden.

Hier ist die Balance geschafft, zwischen einem helfenden Impuls von außen, der mit Berührung einhergeht und integrierende Kräfte anregt und einer veränderten inneren Haltung, die zu Bewusstsein und einer darauf folgenden Handlung führt.


Und in dieser Balance liegt für mich die Quelle der Gesundheit und der Heilung.
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