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Stille suchen

Man denkt man sei im Alltag angekommen.
Sieben Monate des Arbeitens und man fühlt sich inspiriert, beflügelt und versucht seine vielen „AHA“ Momente- so missionarisch sie auch sein mögen, an seine Patienten weiterzugeben.
Dies beinhaltete bei mir eine psychosomatische Gegenüberstellung.
Psyche und Soma/Körper.
Die Metaphern waren aber auch zu schön und einfach, um sie nicht mitzuteilen.
Wenn mir jemand von seinen chronischen Nackenschmerzen berichtete, dann kam ich nicht umhin ihn zu fragen, was ihm denn so im Nacken sitze, welche Nackenschläge er eventuell über dieses Symptom verarbeiten würde und woher diese Ängste kommen würden.
Ich denke nach wie vor, dass die Fragen berechtigt und oft hilfreich sind, aber womit ich nicht rechnete war die Konsequenz der wortreichen Antwort, die darauf folgte.
Ich lege jedem die Werke von Rüdiger Dahlke ans Herz, um sich mit Beschwerde-Interpretationen auf psychischer Ebene zu versorgen, ich kopierte mir sogar ein paar Seiten für meinen Praxis
Schreibtisch, um  Antworten auf gängigste Konsultationsgründe und chronische Symptome parat zu haben und so las ich den Patienten hin und wieder Abschnitte vor zu Themen, wie Bandscheibenvorfall bzw. chronischer Rückenschmerz, Sodbrennen, Reizdarm,Spannungskopfschmerz usw. Die Reaktion war meist positiv und nachdenklich.
Sicher ist kein Beschwerdebild rein auf eine psychosomatische Ebene zurückzuführen, natürlich gibt es für viele eine rein medizinisch anatomische Erklärung, aber manchmal verbesserte sich eine Problematik auch deutlich in der Wahrnehmung, nachdem ein Gedankenmuster aufgedeckt und nachfolgend im Alltag neu umgesetzt wurde.
Gedankenmuster wie, „was stößt mir so sauer auf?“ (Sodbrennen), „gegen was stinke ich an?“ (Blähbauch) oder wo bin ich vielleicht nicht aufrecht / aufrichtig zu mir selbst? (Wirbelsäule)
Eine Patientin meinte mal zu mir, dass es einen schönen und treffenden Satz gäbe, der dieses Phänomen beschreibe.
 
 „Sagt die Seele zum Körper, geh du mal vor.“
 
Ich finde ihn genial und er beschreibt auch, dass ein Körper durchaus auf ein gestörtes „Seelengleichgewicht“ reagiert.

Und dieses sensible Gefüge durfte ich dann kurze Zeit später am eigenen Leib erfahren.
Denn was geschieht mit der ganzen Informationsflut, die im Zuge dieser Enttarnungs-Fragen auf dich einströmt?

 Sie hinterlässt Spuren – nicht nur beim Patient, sondern auch beim Therapeuten, der diese verarbeiten und einordnen können! muss.
Denn was passiert, wenn er es nicht einzuordnen weiß und er dafür keine Ventile geschaffen hat?
Dann speichert sich die Information zwangsläufig an den falschen Stellen ab und äußert sich in körperlichen Symptomen.
Ich musste im Folgenden die Erfahrung machen, dass ein bisher gut wirkendes Ventil, wie Sport oder Meditation nicht mehr den nötigen Ausgleich bot.
Ich spielte zugegebenermaßen ein wenig „Hobby“ Psychologe und war gleichzeitig noch behandelnder Osteopath.
Dabei hatte ich mir so fest vorgenommen meine Kompetenz richtig einzuschätzen und authentisch in meinem FACH-Bereich zu arbeiten.
Nicht nur zum Schutz meiner Patienten, sondern auch für mein inneres Gleichgewicht.
 
So kam es, dass meine Ohren von nun an komplett streikten. Neben Sensationen wie Knacken, Knirschen und Dröhnen bei lauter Umgebung und Teller klappern beim Ausräumen der Spülmaschine, hörte ich auf dem einen Ohr viel schlechter und das wechselte auf beiden Seiten.
Ich hatte gefühlt über 7 Wochen einen Motorradhelm auf dem Kopf, der mich gegen meine Umgebung abschirmte und mich schlechter hören ließ, mich aber auf der anderen Seite nicht vor einer lauten Umgebung schützte, wenn es auf einen bestimmten Lautstärke Pegel hinaufging – was bei jedem Telefonat der Fall war.
Ich war sehr schockiert von der Heftigkeit der Symptome, die ich zuvor noch nie in dieser Form erlebt hatte.
Ich hatte zwar viele Entzündungen im Mittelohr als Kind durchleben müssen, aber dieses Symptom war anders.
Es wehrte sich etwas „lautstark“ von innen gegen den Lärm von außen und jegliche lärmende Information.
Eine dafür passende psychosomatische Metapher zu finden ist nicht schwer.
Ich wollte einfach „nichts mehr hören“, mich abschirmen und einfach Stille erleben, zum Schutz meines inneren Gleichgewichts (Innenohr).
 
Ich bemerkte, dass ich die Situation unterschätzt hatte und nun litt mein Körper.
Die Wochen der Genesung brauchten viel Geduld und forderten Änderungen in meinem Praxis Alltag.
Das Wissen der Metaphern bleibt mir erhalten und ich rufe sie mir nach wie vor ins Gedächtnis, aber ich hüte mich, sie in jeder sich mir bietenden Gelegenheit dem Patienten mitzuteilen.
Priorität hat die osteopathische Behandlung und es gibt genügend fachlich kompetente Kollegen, die ich bezüglich der psychischen Erlebenswelt konsultieren kann und diese Kontakte gilt es auch den Patienten zu vermitteln.
Ich bin im Moment dabei, ein Netzwerk zu schaffen, das mir Sicherheit gibt.
Ich lasse meine Arbeit wirken und vertraue auch meinen Händen mehr, dass ich durch meine Behandlung einen für den Moment passenden Impuls setze.
Zudem nutze ich jedes Händewaschen zwischen den Patientenkontakten, für ein tiefes Durchatmen und eine BEWUSSTE Reinigung.
In der Behandlung selbst, nutze ich die Stille für die Konzentration und den Fokus.

Das Schöne ist, dass die Stille und ein Satz, wie „jetzt können Sie die Stunde ja mal zum entspannen nutzen“ auch die Patienten vom hektisch und gestresst stimulierten Nervensystem zu einer tieferen Entspannung führt, solange ich sie nicht mit meinen Fragen wecke. 🙂

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