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Erwachen

 Mein erster Tag in meiner neuen Arbeitsstelle war angebrochen…
Der neue Lebensabschnitt beginnt und war ich vorbereitet?
Ist man jemals vorbereitet für solch einen Schritt?
 
Das Beste ist wohl, ins kalte Wasser geschmissen zu werden und einfach loszulegen.
Die Dozenten sagen immer, dass der Anfang der Ausbildung eigentlich erst mit der Praxis beginnt und ich denke, da gebe ich ihnen recht.
 
Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich man eine Praxis betreten kann. 
Der Perspektivenwechsel von Patient zu Therapeut, das sind gefühlte Welten.
 
Die Schwierigkeiten begannen früh morgens vor dem Kleiderschrank. Die Frage war, wie ich mich präsentieren wollte. Was ist ein gutes Praxis Outfit?
Da ich mich sehr viel mit Mode beschäftige, fand ich diese Fragestellung wichtig, schließlich ist dies ja auch der erste Eindruck.
 
Ich entschied mich für eine schlichte dunkelrote Stoffhose, ein weißes langärmeliges basic Shirt und meine frisch aus den USA importierten Sneakers.
 
So fühlte ich mich wohl und kompetent.
Man spielt schließlich ein Stück weit eine Rolle und man möchte in dieser Rolle bestehen, vor dem Chef, den Kollegen und natürlich vor sich selbst.
Und da sind wir am Punkt. 
 
Diese Erwartungen an einen selbst… das können die schwierigsten sein, die gefühlt unüberwindbaren.
 
Ich bin ein Mensch, der alles richtig machen möchte. Ich beobachte mein Umfeld sehr genau und versuche rauszufinden, wie ich mit den Menschen um mich herum eine gemeinsame Ebene finden kann.
Was mir dabei wohl sehr zugute kommt, ist mein Humor. Lachen ist ein Patentrezept, um Vertrauen aufzubauen, um eine angenehme vertraute Atmosphäre zu erreichen, sich geborgen zu fühlen und Spannungen gehen zu lassen.
 
Ich lächle und lache viel und diese Funken springen oft auch auf meine Patienten über. 
Eine Osteopathiesitzung geht nicht allein um Schmerzbefreiung, Techniken und eine ausführliche Anamnese, es geht um Vertrauen. 
 
Für mich geht es auch um Hingabe und um ein offenes Selbst, ein neutrales Erleben, ohne zu viele Schubladen. 
 
Schubladen schaffen Ruhe, da wir Dinge einordnen können. Sie sind auch Teil der Routine. 
Doch gerade am Anfang sind da wenige Schubladen, da ist wenig Routine und das macht für mich auch einen Zauber aus. Da man die Dinge mit lernenden Kinderaugen sieht. Dort ist Faszination, Interesse, Motivation. Wunderbare Gefühle, die einen leiten und wachsam sein lassen.
 
Sich in einer Praxis einzufinden, bedeutet auch, Abläufe kennen zu lernen. Wie schreibe ich Rechnungen, welche Ordner auf dem Desktop und welche Klicks bringen mich zum Ziel? 
Wohin setze ich welchen Stempel, wie vergebe, lösche, verlege ich Termine? Wie wird die Kasse geführt, wohin mit der Wäsche?
 
Und dann das Zeitmanagement. Ich versinke gerne in meiner Arbeit und wenn ich bisher Freunde und Familie behandelt habe, konnte ich das auch ein Stück weit. Zeit war relativ.
 
Jetzt wartet da ein neuer Patient, ein Patient, den ich nicht kenne, der seine Geschichte mitbringt und sich etwas von der Behandlung erhofft.
 
Ich weiß nicht, wer im Wartezimmer sitzt. Ich kenne zwar den Namen, aber wenn es ein neuer Patient ist, der zu seiner ersten Behandlung erscheint, dann wird die Sache spannend.
 
Ich sage immer gerne, Osteopath zu sein, ist wie Sherlock Holmes zu spielen, egal ob der Patient zehn oder siebzig Jahre alt ist.  
 
Spanned sind auch die Geschichten, die die Patienten mitbringen, die sie mir anvertrauen und auf die die manchmal einen Rat hören wollen.
 
Gestern zum Beispiel erzählte mir eine Patientin das Geheimnis ihrer schönen Haut: KERNSEIFE… nicht die, die man in der Drogerie heutzutage findet, nein. Es gibt eine alte Rezeptur der Kernseife, die sehr pflegend sei, diese gab es nach dem Krieg zu kaufen und sie enthalte alles, was die Haut bräuchte.
Doch diese zu finden sei ein schwieriger Akt. Sie selbst habe sie schon in speziellen Seifengeschäften in Südtirol oder auf Flohmärkten entdeckt. 
Die ganze teure Kosmetika, die verkauft werde, sei doch nur Placebo, meinte sie. 
 
Eine tolle Geschichte und wir hatten viel zu lachen.

Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch viel mehr solche Geschichten hören werde, dass ich mit meinen Patienten lachen kann. 

Es gibt nichts schöneres und am Ende vom Tag macht man mit seiner Arbeit einen Unterschied. 
Wenn die Patienten beschwingt die Praxis verlassen und mir sagen, dass ihnen die Behandlung sehr gut getan hat.  Das ist der Moment, für den sich das lange Studium gelohnt hat.
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